10 Gedanken zu “Gesamtverkehrskonzept”

  1.  

    Broschüre der BSB zum

    Gesamtverkehrskonzept (GVK) und Zentrumsdurchfahrt

    von Ruedi Meister

     

    Zu den Stellungnahmen von Stadtrat Lienhart in den Lokalzeitungen

    Die von den Beobachtern der Stadt Bülach (BSB) in alle Haushaltungen von Bülach verteilte Broschüre zum Gesamtverkehrskonzept und zur Aufwertung der Zentrumsdurchfahrt hat verschiedene, vorwiegend positive Reaktionen ausgelöst. Auch Stadtrat Lienhart hat im Zürcher Unterländer und im Wochenspiegel zum Inhalt der Broschüre Stellung genommen. Seine Äusserungen dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Er bedauert, den oberflächlichen Inhalt der Lösungsvorschläge in der Broschüre. Dem ist grundsätzlich entgegen zu halten, dass es nicht Usus sein kann, dass die Kritiker des Problems Zentrumsdurchfahrt auch gleich einen fertigen Projektvorschlag liefern. Nachfolgend die etwas tiefer gehenden Ausführungen auf die Beanstandungen und Vorwürfe von Stadtrat Lienhart.

    Fehlende Verkehrszählungen

    Vorerst zum Vorwurf, der nicht vorhandenen Verkehrszahlen, der Lienhart mit „an den Haaren herbeigezogen“ abkanzelt. Interessant ist aber, dass im Zusammenhang mit dem politischen Vorstoss von Stefan Basler noch schnell Verkehrszahlen nachgefordert wurden. Der Kanton erhebt in der Regel die Zahlen auf Kantonsstrassen, jedoch in einem grossmaschigen Netz. Von Bülach sind nur Zahlen von der Schaffhauserstrasse im Hardwald, von der Winterthurerstrasse in Eschenmosen und der Zürcherstrasse (BP-Tankstelle) vorhanden. Wie kann denn ein Verkehrsvorsteher seriös auf die Verkehrsfrequenzen im Zentrum der Stadt reagieren, wenn keine aussagekräftige Verkehrszahlen und -beziehungen bekannt sind. Auch die nachträglich eingeforderten Verkehrszahlen geben kein umfassendes Bild ab. Aktuelle und aufgeschlüsselte Zahlen fehlen von der Zürcher-, Winterthurer-, Post-, Badener- und Hochfelderstrasse. Aufgrund seiner Reaktionen ist anzunehmen, dass Stadtrat Lienhart nicht weiss, wie viele Fahrzeuge auf der Hochfelderstrasse verkehren, wie viele in die Spital-, Hinterbirchstrasse oder bei der Sportanlage Hirslen ein und aus fahren. Wenn behauptet wird, der effektive Ost-West-Durchgangsverkehr bewege sich längst auf den dafür angebotenen Umfahrungen und der vorhandene Verkehr im Stadtzentrum sei ortsgebunden und gezwungen die Zentrumsdurchfahrt zu benutzen, könnte niemand widersprechen, da die nötigen Messresultate fehlen.

    Vollendung des Stadtrings – Bau eines Viaduktes

    Kernstück der Broschüre ist der unvollendete Stadtring, der vor allem dem Zentrumsverkehr auf der Achse Bülach – Hochfelden Erleichterung bringen würde. Die vorgeschlagenen Öffnungen der Lindenhof- und Kreuzstrasse von der Bahnhofstrasse nach aussen, sollen bis zur Vollendung des Rings das Verkehrsproblem im Zentrum lösen helfen. Nutzniesser wäre auch der öffentliche Verkehr, da er weniger im Stau stehen würde. Wird einmal der Stadtring geschlossen, können die Verkehrsführungen der neuen Situation angepasst werden. Obwohl die Investitionen für die geschilderten Massnahmen mit verhältnismässig kleinem Aufwand zu realisieren sind, können die Strassenbauten (Kreisel) auch darnach genutzt werden. Es sind keine nutzlos gewordene Provisorien. Wenn jetzt bezüglich des Stadtrings wieder nichts Konkretes geschieht, sind wir auch in zwanzig Jahren nicht weiter. Nur wird der Verkehr bis dann nochmals erheblich zugenommen haben und die räumlichen Verhältnisse werden noch enger sein. Er wird vermehrt auf Quartierstrassen ausweichen und das Zentrum verstopfen.

    Der Vorschlag eines Viaduktes über die Gleisanlagen des Bahnhofs ist nicht neu, aber schon heute praktisch die einzige noch realisierbare und kostengünstigste Lösung, den Ring zu schliessen und dem Zentrum unnötigen Verkehr zu entziehen. Stadtrat Lienhart kritisiert diese Variante als schlicht unrealisierbar und unumsetzbar. Im Gesamtverkehrskonzept wird unter „Aufwertung des Bahnhofs“ etwas nördlich des Bahnhofgebäudes über die Gleise eine Passerelle mit Liften und Rampen für Fussgänger und Veloverkehr (behindertengerecht) vorgeschlagen. Dazu ist zu lesen:

    Priorität B: Realisierung innert 5 bis 8 Jahre. Kostenschätzung: Offen, sicher > 500’000
    Fr. (Projektabhängig, Kostenteiler mit SBB u.a.).

    Das ist Augenwischerei. Beim genannten Betrag von einer halben Million Franken kann es sich höchstens um einen Projektierungskredit handeln. Eine vier Meter breite Passerelle kostet ein Mehrfaches. Viel Geld für eine halbe Sache. Was ist da nun naheliegender, wenn am fast gleichen Ort ein echter Viadukt vorgeschlagen wird (ungefähr im Bereich Schaffhauserstr. 102/104), der auch für den motorisierten Verkehr genutzt werden kann. Die Weiterführung des Verkehrs über die Nordstrasse Richtung Spital kommt heute schon nicht mehr in Frage, da das Quartier inzwischen ziemlich kompakt verbaut ist. Übrig bleibt nur noch eine, aber bessere Variante. Es muss eine neue Strasse durch den Wald zur Hochfelderstrasse gebaut werden, wie das seinerzeit beim Bau der Hochleistungsstrasse geschehen ist. Das ist neu. Hier wird kein Quartier tangiert. Bei einem Kreisel an der Hochfelderstrasse ungefähr beim heutigen Parkplatz Vita Parcours wäre der Anschluss. Von dort wären die katholische Kirche, Bezirksgebäude, Spital, Berufsschule, Sportanlage Hirslen, Hochfelden und die weiter westwärts liegenden Orte auf direktem Weg zu erreichen. Und dies wäre möglich mit der Anfahrt von der Hochleistungsstrasse (von Zürich her), von Eglisau, von Embrach, aber auch aus den Quartieren östlich der Schaffhauserstrasse, ohne dass das Zentrum belastet würde. Auch das noch in Planung stehende Quartier Bülach-Nord könnte in mehrfacher Hinsicht profitieren. Sehr gute Verkehrserschliessung durch direkte Anfahrt der genannten Institutionen und Zugang zum Bahnhof. Die Wohnqualität wäre durch die neue Strassenverbindung überhaupt nicht geschmälert, sondern erhöht, da das Quartier nur am Rande tangiert und nicht durchfahren wird. Dazu äusserte sich Stadtrat Lienhart im Wospi aber so: „Wobei zwei Viadukte nebeneinander sowieso keinen Sinn ergeben. Ganz zu schweigen davon, was die Folgen für die Bewohner der betroffenen Quartiere wären: Lärm, Abgase, Gestank. Mündet eine Verkehrsbrücke mitten im künftigen Quartier Bülach Nord, zerschlage dies weitgehend die Pläne, dieses Gebiet zu einem lebendigen Quartier zu entwickeln, in dem Menschen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit gestalten.“

    Dann wurde hier halt wieder nicht nachhaltig geplant. Von einer guten Erschliessung kann doch nicht die Rede sein. Zu den nebeneinander liegenden Strassen (Viadukte) ist noch zu präzisieren, dass sie nicht den gleichen Zweck erfüllen. Sie haben verschiedene Funktionen. Die Hochleistungsstrasse übernimmt den übergeordneten Schnell-Verkehr auf, während die neue Verbindung Schaffhauser-/ Hochfelderstrasse zur örtlichen Erschliessung gehört. Zur von Lienhart erwähnten Wohnqualität im noch zu bauenden Quartier von Bülach Nord die kurze Bemerkung: Die Stadtbewohner im Zentrum können sich anscheinend nicht der ungewöhnlichen Fürsorge von Lienhart schätzen und gehören nicht zu den privilegierten Personen, die sich erst später einmal in Bülach Nord ansiedeln.

    Rodung von Wald

    Die Rodung von Wald (Hinter Volleberen) für die Strasse sei nicht möglich, so Lienhart, weil das Bundesamt für Umwelt dies nicht bewilligen würde. Hier geht es aber um eine Güterabwägung. Einerseits Schutz des Waldes neben einer Hochleistungsstrasse, der anderswo ersetzt werden könnte, anderseits Schutz von Wohngebieten vor dem Durchgangsverkehr. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Kantonsregierung im nördlichen Teil des Stadtgebietes, in der Nähe des nun stadteigenen Wydhofes. eine Jagdschiessanlage plant. Da muss es doch möglich sein, gerodeter Wald zu kompensieren. Es hat aber noch andere Orte in Bülach, wo aufgeforstet werden kann. Klar ist, dass das Ansinnen beim Amtsvorsteher nicht eitel Freude auslöst. Dafür muss man hart verhandeln, ja vielleicht kämpfen. Das Wohl der Stadtbewohner muss an erster Stelle stehen, alles andere hat sich unterzuordnen.

    Öffnung der Lindenhofstrasse

    Die Öffnung der Lindenhofstrasse (und vermutlich auch der Kreuzstrasse) ist für Lienhart keine Option: „Es ist keine vernünftige Verkehrspolitik, die Verkehrsströme in die Wohnquartiere zu verlagern.“ Auch das ist nicht ganz richtig. Es wird kein Verkehr in ein Wohnquartier verlagert, sondern am Rande gestreift und auf Strassen geführt, die früher vor der wenig stichhaltigen Teilschliessung beachtliche Frequenzen aufwiesen. An den bestehenden Signalisationen und Verboten ist nichts zu ändern, d.h. zum Beispiel Lastwagenfahrten nur für Zubringer zu gestatten. Die vorgeschlagenen Ersatzlösungen sollen bis zur Vollendung des Stadtringes bestehen bleiben.

    Kreisel Winterthurer-/Schaffhauserstrasse

    Stadtrat Lienhard sagt im Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen leistungsfähigen Kreisel bei der Lichtsignalanlage Winterthurer-/Schaffhauserstrasse: „Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, wenn man ein Lichtsignal in einen Kreisel umbaut.“ Dies bestätige das Amt für Verkehr. Das ist nicht die ganze Wahrheit. Bei einem normalen Kreisel mit den heimisch bekannten Dimensionen ist das richtig. Wenn er aber grösser und entsprechend leistungsfähig (mit Bypässen) gebaut wird, stimmt das nicht mehr. Beispiele sind genug vorhanden. Kreisel haben aber vor allem einen grossen Vorteil: Die Fahrt kann auch in der Gegenrichtung wieder fortgesetzt werden, was Verkehrsprobleme lösen hilft. Der Kreisel, ähnlich einem Doppelkreisel, könnte heute am besagten Ort so ausgebaut werden (mit Land, das der Stadt gehört), dass Winterthurer-, Schaffhauser- und Kreuzstrasse, aber auch der Post-Parkplatz aus und in allen Richtungen frequentiert werden könnten. Damit wäre es auch möglich die sensible Verkehrs-Situation bei den Verzweigungen zur Post und Sonnmattstrasse an der Winterthurerstrasse zu entschärfen.

    Zuständigkeit: Kanton

    Lienhart: Für die Kreuzung Winterthurer-/Schaffhauserstrasse zum Beispiel sei der Kanton verantwortlich. Es ist richtig, dass der Kanton für Staatsstrassen zuständig ist. Gemeinden und Städte haben aber ein verbrieftes Mitspracherecht.

    Kein Wort zum öffentlichen Verkehr

    Stadtrat Lienhard im Wospi: Wieso die BSB in ihrer Broschüre den öffentlichen Verkehr mit keinem Wort erwähnen, ist für Stadtrat Lienhart unerklärlich. Auch das stimmt nicht. Unter Schlussbemerkungen wird festgehalten, dass Fahrbahnhaltestellen zu verhindern sind und dass durch die zwei nicht unwesentlichen Öffnungen der Lindenhof- und Kreuzstrasse weniger Stau entstehen würde. Der ÖV könnte dadurch wieder ungehinderter zirkulieren. Mehr muss zum ÖV auch nicht gesagt werden.

    Fazit

    Leider zeichnet sich immer mehr ab, dass von Stadtrat Lienhart keine neuen Ideen zu erwarten sind, solche auch nicht annehmen will. Zum Hauptpunkt „Schliessung des Stadtrings“ lässt er sich überhaupt nicht vernehmen. Er verliert sich lieber in bedeutungslosen und teils falschen Erklärungen. Seine Verkehrspolitik ist rückwärts gewandt. Sie wird sich unter seinem Einfluss nicht ändern. Die Stadt kann sich beim Quartier Bülach Nord nicht nochmals eine Unterlassungssünde leisten, wie sie in Bülach Süd passiert ist (Feldstrasse). Die Stimmbürger müssen sich ernstlich fragen, ob ein wieder kandidierender Stadtrat nach 16 Amtsjahren noch in der Lage ist, in den nächsten vier Jahren höchst dringliche Dinge wie das Schliessen des Stadtrings anzustossen. Jedenfalls mit teuren Aufträgen an Ingenieurbüros, die vom Steuerzahler zu berappen sind, gelingt das nicht. Diese machen nur, was von den Auftraggebern gefordert wird. Pragmatische Ideen sind gefragt. Stadtrat Lienhart ist Initiant und Sprachrohr des Stadtrates in Verkehrsbelangen. Bei ihm beginnt, was leuchten soll auf Bülachs Boden. Nach einer langen Phase, in der mehrfach Verkehrswege von Ost nach West ohne Alternativen eingeschränkt wurden und der Verkehr Anzeichen von Überlastung zeigt, ist das Mass erreicht, wo die Umkehr stattfinden muss. Da müssen Leute gewählt werden, die sich nicht scheuen auch weniger angenehme und aufwändige Aufträge an die Hand zu nehmen. Auserwählte Personen, die sich für das Wohl der Stadt einsetzen und dafür einstehen.

    Bülach, Mitte Dezember 2013

  2. Die Initiative von Ruedi Meister verdient Anerkennung und soll ebenso vertieft weiterverfolgt werden, wie die dem Stadtrat vorliegenden Konzepte.
    Beide beinhalten vielleicht einzelne Schwachstellen, wie das bei Standpunkten üblich ist. Es gilt aus der GESAMTHEIT der Vorschläge, diejenigen zu evaluieren, die Kosten/Nutzen gewichtetet und zeitlich vernünftig gestaffelt zur Ausführung reif werden. ‚Nice to have‘ ist auf allen Seiten zu streichen.
    Am meisten Stirnrunzeln verursacht, wenn unsere Behörden sich hinter kantonalen Vorgaben verstecken. Da heisst es geschickt verhandeln, Verbündete aufbauen bis die demokratische Lösung auf dem Tisch liegt. Dabei ist auch Ruedi Meister ernst zu nehmen.

  3. Lesen Sie hier die Aussagen von Stadtrat Hanspeter Lienhart im Zürcher Unterländer vom 26. Nov. 2013 zur Broschüre Beobachter Stadt Bülach, BSB, „Bülach erstickt im Verkehr“, und die Antwort Beobachter Stadt Bülach “Lienhart auf hohem Ross”.

  4. Der Verkehr durchs Zentrum wächst gegenwärtig mit ca. 3% pro Jahr. Dass eine Lösung dafür im Öffnen von ein paar Einbahnstrassen und richtiggehenden Fluten des Zentrums liegen soll, ist absurd. Wer solche Vorschläge vorlegt, denkt im verkehrstechnischen Mittelalter.
    Für die Gewerbetreibenden und Anwohner ist die Erreichbarkeit und das Parkieren überlebensnotwendig, was mit einer verkehrsberuhigten Lösung erreicht wird. Der reine Transitverkehr gehört kurzfristig auf die grosse oder kleine Umfahrung, gefühlte Zeitverluste von 10 oder 15 Sekunden sind kein Argument dagegen.
    Mittelfristig ist eine neue Transversale unumgänglich wenn Herti und Bülach Nord entwickelt werden.

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    Ich habe Ihre Publikation genügend genau studiert und glaube auch, sie verstanden zu haben. Aber der von Ihnen genannte Zweck einer Entlastung des Zentrums erschliesst sich für uns leider gar nicht.

    Eine offene Lindenhofstrasse wirkt doch äusserst anziehend für die Achse Embrach-Richtung Westen, Verkehr ist wie Wasser und füllt den kürzesten Weg mit der grössten Menge bis er überläuft.

    Wenn den BSB der abfliessende Verkehr vom Bahnhof Richtung Höri und Hochfelden so wichtig ist, würde man ja vielleicht besser auf der Spitalseite dem Bahnhof ein paar Parkplätze und eine penibel saubere Unterführung für den Zubringerdienst von Westen spendieren.

    Und was soll die Öffnung der Kreuzstrasse mit einem Lichtsignal in der Stadtmitte bringen? Weniger Verkehr auf dem Abschnitt der Bahnhofstrasse zwischen Lindenhof- und Kreuzstrasse während es auf den beiden Parallelen rauscht? Nein danke!

    Es tut mir leid, die Vorschläge atmen für mich alle den Geist, dass der automobile Verkehr ein grundsätzliches Anrecht auf die vermeintlich kürzeste Verbindung hat.

    Das Stadtzentrum erwacht gerade aus einer Dornröschenphase, es hat jetzt tatsächlich alles, was in den bestehenden und neu zu bauenden angrenzenden Quartieren auch mit grösster Mühe nicht herbeigezaubert werden kann: Leben, Wohnraum, Geschäfte, Begegnungsräume, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und eine gewisse Atmosphäre. Das soll für eine kurzfristige „Verbesserung“ der Ost-West Verbindung geopfert werden?

    Felix Kuster

    • Guten Tag Herr Kuster

      Wir haben Ihre Stellungnahme zur BSB-Broschüre zur Kenntnis genommen. Grundsätzlich halten wir fest, dass auch wir im jetzigen Zeitpunkt keine Lösung anbieten können, die allen gerecht wird. Dazu fehlt eine Strategie. Sie wurde in Bülach verpasst und muss jetzt hauptsächlich für den Ost-West-Verkehr auf irgend eine, aber teure Art nachgeholt werden. Wie das aus der Broschüre klar hervorgeht, ist vor allem der unvollständige Stadtring das eigentliche Problem in Bülach. Die BSB will nun dazu beitragen, dass endlich eine Querverbindung geplant und absehbar auch realisiert wird. Bis es aber soweit ist, müssen die Strassen, die im Zentrum schon vorhanden sind, für diesen Zweck herhalten. Kreuz- und Lindenhofstrasse sind Verkehrsträger, die früher in beiden Richtungen den Bülachern und dem Ost-Westverkehr zur Verfügung standen, im Laufe der Zeit aber leider ohne Ersatz stark eingeschränkt wurden. Dadurch mussten Anwohner an anderen Strassen immer mehr unter zusätzlichem Verkehr leiden. Und inzwischen nehmen Verkehrsteilnehmer auch Quartierstrassen in Anspruch, die von solchem Verkehr eigentlich verschont bleiben sollten. Die genannten zwei Strassenzüge könnten bald ohne allzu grossen Kosten mindestens in je einer Richtung und vorübergehend geöffnet werden.

      Wenn Sie die zwei vorgeschlagenen Lichtsignale an den empfindlichen Strassenknoten an der Zentrumsdurchfahrt in Frage stellen, verkennen sie die Verkehrssicherheit und die Gefahrenstellen. Zeitweise gilt doch an den Knoten, insbesondere bei der Kleider-Keller – Verzweigung fast das Faustrecht.

      Ihre Philosophie mit dem Wasser hat sehr viel Wahres. Sie verkennen aber, dass Wasser umgeleitet werden muss, wenn es irgendwo überläuft. Und genau das hat eben in Bülach nicht stattgefunden, ohne dass andere darunter leiden mussten.

      Sie wohnen noch nicht lange an der neuen Seemattstrasse und haben jetzt verständlicherweise ein persönliches Interesse daran, dass sie vom Verkehr wenn möglich ganz verschont bleiben und ihre vor kurzem entstandene Idylle im Seemattquartier erhalten wollen. Das haben die vielen Bülacher aber auch, die schon lange Zeit mit dem Erschwernis Zentrumsdurchfahrt leben müssen. Es ist egoistisch und kommt der Sankt-Florian-Politik sehr nahe, wenn Sie meinen, man könne die Situation mit wenigen Anpassungen im Hertiquartier und auf der Westseite des Bahnhofs lösen.

      Mit freundlichen Grüssen
      Ruedi Meister

  5. Das Thema brennt unter den Fingernägeln, schon lange, aber die Politik hat hier offensichtlich sehr lange Nägel. Das „Gouverner c’est prévoir“ fand in all den vergangenen Jahren nicht statt, und wenn die Sauce hier ist, ist das halbherzige „Gouverner“ eben am Abend…nur Flickwerk und Pflästerchen. Und dazu teuer.
    Zum Thema Ost-West-Verkehrsplanung möchte ich hier exemplarisch einen Auszug aus meinem Brief wiedergeben, den ich bereits im Jahre 2009 (!) im Zusammenhang mit Pseudo-Lärmschutzmassnahmen an der Winterthurerstrasse an die Volkswirtschaftsdirektion (damals Rita Fuhrer, die eiserne Oberländerin), die Baudirektion und den Stadtrat geschrieben habe.
    Anträge:
    1. …..
    2. …. mit dem Appell, „etwas“ gegen die lebensfeindlichen Verkehrsverhältnisse in Bülach und weiter gegen die katastrophale Verkehrsplanung im nördlichen Bereich des Kantons, Achse Ost-West, zu tun.
    Zu 2.: Ihnen ist das Problem der Verkehrsplanung Ost-West im nördlichen Teil des Kantons, Verkehrsachse Winterthur-Baden, wohl bekannt. Es bestehen auch schon einige Vorschläge von Fachleuten und -schulen, die leider bisher nicht aufgegriffen wurden, da, wie ich meine, die Chefin der VD eben aus dem auch fluglärmverschonten Zürcher Oberland kommt. Wenn ich mir so die Liste der Projekte anschaue, fällt mir auf, dass das Zürcher Oberland und die engere Agglomeration Zürich, auch Nord, gegenüber dem nördlichen Teil des Kantons bevorzugt behandelt werden. Das Projekt Nr. 49 Dettenberg, langfristig, weiss der Himmel wann, und der Hardwald Nord-Süd, mittelfristig, sind einzig auf der Liste zu finden. Sie wissen, dass die grossräumige Situation Winterthur-Baden prekär ist, es läuft aber nichts. Keine Priorität. Zuerst Gebäude bauen, dann denken. Damals, bei der Lärmanflugschneise Flughafen Nord in Höri, kaufte der Kanton vorausschauend Liegenschaften auf, die er aber nachher in reaganscher Manier dem Mammon opferte. Und so kann Frau Moor auch nicht für den RR kandidieren. Uf Höri ghöri. Ich appelliere an die Volkswirtschaftsdirektion, die Verkehrsplanung Ost-West im nördlichen Kanton auf die Traktandenliste zu nehmen, und an die Exponenten (wie den Stadtrat von Bülach), sich die prekäre bülemer Verkehrssituation zu verinnerlichen und allen Einfluss geltend zu machen, damit auch nicht lärmberuhigte Einwohner eine Perspektive haben. Gouverner c’est prévoir, Messieurs et Mesdames!
    Da haben wir es, das „Gouverner, c’est prévoir“. In Sachen GVK war jahrelang tote Hose, und heute, wo das Chaos perfekt ist, werden auswärtige Leute geholt, die den betroffenen Einwohnern sagen, wie man das machen soll! Ich habe auch nie bemerkt, dass sich der Stadtrat beim Kanton für zukunftsweisende, grossflächige Lösungen eingesetzt hat. Es kommt mir auch heute noch vor, dass der nördliche Teil des Kantons für die kantonalen Instanzen ein lästiger Appendix war und ist, und mit schwachen Lokalpolitikern ergeben sich dann chaotische Resultate wie wir sie heute in der Verkehrsachse Ost-West haben.
    Das betrifft vor allem Büli, und jenen Bülemern, die heute versuchen, zu retten, was zu retten ist, sei mein Dank gewiss. Und besser: Die kleinflächige Verkehrsplanung in Büli ist am Abend, das Brecheisen muss auch auf einer anderen Ebene angesetzt werden. BSB, vielen Dank!

  6. herr peter fehrlin, darf ich ihnen wie folgt entgegnen:

    – der stadtrat beschäftig teure auswärtige büros. man setzt eine kommission ein ohne den erfahrensten ortskundigen bürger zur mitarbeit einzuladen.

    – die vorschläge / ideen des stadtrates sind nicht zielführend, das entstehende verkehrschaos in griff zu bekommen.

    – es wurden 24 einsprachen fristgerecht eingereicht, mehrere davon von heutigen bsb-mitgliedern, vermutlich mit wenig chancen auf erfolg.

    – die bsb (bürgervereinigung beobachter-stadt-bülach) bestand zurzeit der vernehmlassung noch nicht!!

    – das verkehrskonzept war eines von mehreren eigenartigen projekten welche zur gründung der beobachter-stadt-bülach, bsb, beitrugen.

    so wie es heute in bülach ist, kann es nicht weitergehen!
    die wahlen 2014 stehen vor der türe, sind wir doch froh und dankbar, dass sich einige besorgte bürger mit einem gewaltigen aufwand an zeit, wissen, arbeit und kosten aufmachen, um die weichen auf bessere wege umzulenken.

    nur meine meinung.
    ralf a. isenring

  7. Erstaunlicherweise haben sich meines Wissens weder Ruedi Meister noch andere BSB-Mitglieder in der Vernehmlassung, die allen Einwohnern offen stand, geäussert… – mehr dazu gibt es nicht zu sagen.

    • Das ist eine widerlegbare Behauptung von Herrn Fehrlin. Zudem ist es uneinsichtig, warum der Stadtrat ausgerechnet dieses wichtige Papier nicht dem Parlament zur Beratung unterbreitet hat. Vermutlich hätten die Gemeinderäte die vielen Schwachpunkte erkannt.
      BSB

  8. Als Erster hat Ruedi Meister mit hoher Fachkompetenz und grosser Berufserfahrung, mit seiner Ortskundigkeit sowie mit gesundem Menschenverstand umsetzbare Vorschläge zu einer zukunftsorientierten Verkehrsplanung in Bülach vorgelegt. Der Bülacher Stadtrat ist mit seinen absurden und kostspieliegenden Plänen blamiert.

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